18.01.2020
Nachlese Veranstaltung in Burgstall 10.01.2020

Es geht auch ohne Krawall, ohne Traktoren, ohne Transparente. Dies bewiesen die Teilnehmer am Stammtisch der Freien Wähler Hirschau im vollbesetzten Gemeinschaftshaus in Burgstall. Die Landwirtschaft war neben Bauern aus den umliegenden Dörfern durch den FW Stadtratskandidat und Landwirtschaftsmeister Matthias Dotzler aus Kindlas vertreten, der Landesbund für Vogelschutz (LBV) durch Vorstandsmitglied Michael Scharl und Paul Lingenhöhl.
Nach der Begrüßung durch die Stadträte Meindl und Schuster ging M. Dotzler in einem ausführlichen Statement auf die allgemeine Situation der Landwirte ein. Dabei beklagte er immer wieder die zunehmende Bürokratisierung, die stetig wachsende Anzahl neuer Vorschriften und die Abhängigkeit von der Agrarindustrie insbesondere von den weltweit agierenden Saatgut-Konzernen. Unsere Landwirtschaft hat ein strukturelles Problem, das unter anderem durch die Förderpolitik der EU verschärft wird. „Die größten Herausforderungen für die Zukunft“, so Dotzler „ seien aber die niedrigen und oftmals wetterbedingt schwankenden Preise“. Solange die Mehrzahl der Verbraucher beim Kauf von Lebensmitteln sich hauptsächlich vom Preis leiten lässt, ohne auf Herkunft und Qualität zu achten und Billigdiscounter Tierprodukte zu Werbezwecken verramschen, ist es schwierig, das Tierwohl und den Umweltschutz den zu recht steigenden gesellschaftlichen Anforderungen anzupassen. Auf die drohenden Strafzahlungen wegen überhöhter Nitratwerte im Grundwasser angesprochen meinte Dotzler: „ Glücklicherweise sind wir nicht in einem roten Gebiet. Zusätzliche Messstellen und eine differenziertere Auswertung versachlicht die Debatte und lässt gezielte Maßnahmen zu.“
Michael Scharl stimmte den Ausführungen Dotzlers weitestgehend zu, wies aber auf die Dringlichkeit von Blühflächen und der Abstandsregelung zu Gewässern hin. Stadtrat Meindl fragte nach, ob es sinnvoll sei, auf einer städtischen Fläche nördlich des Edeka Parkplatzes eine geplante Blühwiese anzulegen, mit Kosten von über 18 000 €. Scharl riet dazu, vor der Wahl des Saatguts fachkundige Informationen einzuholen, wobei Bodenqualität und Standort zu berücksichtigen sind.
Am Ende war man sich einig: wir brauchen eine gesellschaftliche Auseinandersetzung über die Balance von Tierwohl, Umweltschutz und menschlicher Lebensweise.
In kleinen Gruppen fanden anschließend noch Diskussionen mit den beiden Stadträtinen Erras-Dorfner und Groher über aktuelle kommunale Probleme wie Breitbandausbau und Anbindung an den ÖPNV statt.